Die Wikinger kommen!

Wikinger im Odenwald? Gibt es nicht!

Gibt es doch. Einmal im Jahr kommen sie nicht gerade mit Drachenbooten den Neckar hinauf, aber mit Lkw und Anhänger aus ganz Europa um in Osterburken auf der Marienhöhe aufzuschlagen. Adventon, das Living-History-Museum gleich neben der Autobahn zeigt Leben und Alltag der Kaufleute und räumt auf mit den Stereotypen von Hörnerhelm und Raufbold.

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Da gibt es beispielsweise den „freien Wikinger“ Jens Perleberg, der historisches Mobiliar wie Truhen, Holzschalen, handgeschmiedete Beschläge oder wikingerzeitliche Schlösser selber fertigt und zum Kauf feilbietet. Sein großes Lager über zwei Wikingerzelte und ein Verkaufskontor zieht sich der berühmte Teppich von Bayeux als historische Replik, der wie ein Comic des Mittelalters die Eroberung und Besiedelung Englands durch die Nordmänner illustriert.

Die musikalische Untermalung dieses Events der ganz besonderen Art übernimmt an diesem Wochenende unter anderem „Poeta Magica“. Holger Funke, der Kopf dieser Formatio hat die Edda vertont, jenes Mythenbuch der nordischen Religionen europäischer Frühzeit. Ein Großteil seiner Instrumente baut der Schauspieler, Musiker, Mediävist und Handwerker selbst. Archaische, mystische Klänge der heidnischen Schamanen Skandinaviens treffen auf lebendige orientalische Weisen, verbinden sich mit wilden Klängen der ungarischen Steppe, hochmittelalterliche Melodien vereinigen sich mit modernen Klangbildern, in dem sich Gesang und Melodie sich zu Räumen und Bildern verknüpfen.

Die Walaskjalf Sippe lässt das Frühmittelalter von 750 bis 950 n. Chr. auferstehen. Sie zeigen am ehesten den Teil, den Besucher von Wikingern erwarten: Waffenstarrende Gestelle, Helme, Schwerter, Äxte, Speere und Rundschilde. Anders als in einem herkömmlichen Vitrinenmuseum, kann man hier alles anfassen, „begreifen“ und man kann lebendige Menschen befragen, die einem Antwort geben, statt einer Erklärung vom Band oder von der Tafel.

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Mit dabei sein kann man auch, wenn die Gladsheim-Sippe mit Grizzly Englert und Carlo Wolf zusammen am Wikingerlanghaus bauen. Ein Blick in das Wikingergrubenhaus zeigt, wie die Menschen damals „hausten“. Der Name „Wikinger“ übrigens stammt von Wyk, was übersetzt wird mit „dem Platz“, „der Stelle“ oder „dem Marktort“. Ein Hinweis darauf, dass nicht alle Wikinger blutrünstigen Überfällen, sondern durchaus dem Handel frönten.

Viele Namen haben die Männer aus dem Norden: Rus, Nordmann, Wikinger und Waräger. Wer Männer, Frauen und Kinder erleben will, wie sie aus Horn Kämme machen, wie sie Felle gerben, Häuser bauen, Zelte färben und warum ihr Göttervater Odin 170 Namen hat, der kommt am 19. Und 20. September nach Adventon bei Osterburken. Geöffnet ist der Park jeweils ab 11 Uhr, weitere Informationen unter www.adventon.de.

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